Von Katzenhilfe Neuwied e.V., letzte Aktualisierung am 20.12.2020 um 18:53h

Ein Weihnachtsrundgang durch verschlossene Räume

Wir wünschen fröhliche Weihnachten
Wir wünschen fröhliche Weihnachten - © Copyright: Doris Litz

In ein paar Tagen ist es so weit: Weihnachten steht vor der Tür! Normalerweise würden wir Sie an dieser Stelle auf unsere besonderen Besuchszeiten währen der Feiertage hinweisen. Doch was ist in diesem Jahr schon normal? Besucher dürfen wir schon seit dem Frühjahr nicht mehr empfangen, mit Interessenten für unsere vierbeinigen Bewohner vereinbaren wir individuelle Termin zu Zeiten, in denen sich kein Personal in unseren Pflegestellen befindet, damit wir die Abstands- und Hygieneregeln einhalten können. Eine besondere Ankündigung zu besonderen Weihnachtszeiten erübrigt sich somit.

Natürlich sind wir traurig, dass die vielen Menschen, die in der Vergangenheit einfach mal vorbeigeschaut haben, nun vor verschlossenen Türen stehen. Gerade in der Vorweihnachtszeit bekommen wir viele Anfragen von Menschen, die Anteil am Schicksal unserer Katzen nehmen wollen. Dafür sind wir dankbar, und damit Sie nicht völlig im Dunkeln tappen, was bei uns gerade so los ist, nehmen wir Sie mit auf einen kleinen Phantasiebesuch durch unsere Hauptpflegstelle. Wenn Sie also Lust haben, folgen Sie uns und nehmen Sie Anteil am Schicksal unserer kuscheligen (und weniger kuscheligen!) Bewohnerinnen und Bewohner.

Kater Lisbeth
Kater Lisbeth - © Copyright: Doris Litz

Fangen wir vorn an – in unserem Büro. Dort quartieren wir gern Tiere ein, die lieber keinen Kontakt zu Artgenossen haben, die Nähe von Menschen aber durchaus genießen – oder sie nicht genießen, sich aber an uns gewöhnen sollen. Dort lebt zurzeit Lucy, die eine durch und durch ungewöhnliche Katze ist. Anfangs war das winzige Katzenmädchen mit den „abstehenden“ Ohren und der rosa Nase gar nicht gut auf Zweibeiner zu sprechen. Mittlerweile mag sie manche von uns und ist bei ihren Lieblingsmenschen eine unglaublich entspannte und anhängliche kleine Maus. Andere mag sie allerdings nach wie vor nicht und zeigt dies sehr deutlich. Man nennt so etwas wohl das Jekyll-und-Hyde-Syndrom. Nun ja, auf jeden Fall kann die kleine, hochsensible Katze auch ganz anders! Keine Frage, dass Lucy ein sehr ruhiges Zuhause bei stets freundlichen Menschen sucht, die sie unglaublich gut leiden kann.

Unser Blaues Zimmer wird bis auf zwei Ausnahmen von jungen Wildlingen bewohnt, die in diesem oder im letzten Sommer zu uns kamen. Gregor, Anton, Hubert, Leo, Hilde, Kirk & Co. zeichnen sich dadurch aus, dass sie ziemlich viel Angst vor Menschen haben und in einem mehr oder weniger langen Prozess lernen müssen, uns zu vertrauen. Meist wird in den ersten Wochen und Monaten ziemlich viel gefaucht, manche unserer Wildies bekommt man aber auch sehr, sehr lange überhaupt nicht zu sehen. Spitzenreiter ist derzeit Terence, der seit eineinhalb Jahren für die allermeisten von uns unsichtbar ist.

Aber es gibt auch eine tolle Eigenschaft, über die die meisten Wildlinge zumindest in ihrer Jugend verfügen: Sie sind untereinander überaus verträglich, was die Atmosphäre in diesem Zimmer regelrecht verzaubert. Wer nicht unbedingt Wert darauf legt, dass Katzen sich anfassen lassen, sondern einfach ihre Nähe genießen und sie im liebevollen Miteinander beobachten will, von dem fällt in unserem Blauen Zimmer nach wenigen Minuten jede Hektik ab. Denn wenn sie sich erst einmal an einen Menschen gewöhnt und eingesehen haben, dass sie von diesem nichts zu befürchten haben, sind diese Katzen völlig entspannt und ausgeglichen. Schließlich sehnen sie sich nicht nach „eigenen“ Menschen, mit denen sie abends auf dem Sofa kuscheln können, sondern sind mit ihrem Leben – von uns lästigen Zweibeinern mal abgesehen – ziemlich zufrieden.

Willkommenes Weihnachtspäckchen
Willkommenes Weihnachtspäckchen - © Copyright: Doris Litz

Natürlich wünschen wir uns auch für diese wundervollen Tiere verständnisvolle Menschen und kuschelige Sofas. Gerade in den letzten Wochen durften neben den deutlich leichter zu vermittelnden Jungspunden aus dem letzten Sommer auch mehrere Mitglieder des Jahrgangs 2019 ausziehen. Lothar, Puma, Cary, Rocky, James, Matty (okay, der saß im Gelben Zimmer) und Ninja: Wir wünschen euch ein tolles Leben und euren neuen Menschen das Maß an Geduld, das ihr zum Eingewöhnen braucht. Doch zurück zu denen, die noch bei uns sind. Neben unseren zauberhaften Wilden sind das Prinzessin Cleo und Kater Lisbeth. Cleo ist eine wunderschöne, sehr zarte Langhaarkatze, die ihr ganzes Leben in menschlicher Obhut und ohne Artgenossen verbrachte. Entsprechend gestresst ist die sensible Schönheit von dem Gewusel um sie herum.

Anders sieht es bei dem Kater mit dem Mädchennamen aus: Er kam völlig abgerissen und mit einer Vielzahl körperlicher und seelischer Baustellen zu uns und gehört zu jenen Tieren, die das Herz jedes Tierschützers überlaufen lassen. Wie hart sein Leben in den letzten Jahren war, sieht man ihm an. Die meiste Zeit schläft der ramponierte Bursche so fest, dass er nicht mal mitbekommt, wenn die anderen sich auf eine Schachtel Leckerchen stürzen. Ihn aufzupäppeln wird eine Weile dauern – und ziemlich viel Geld kosten. Aber das ist ja genau der Job, dem wir uns verschrieben haben.

Weiter geht´s in unseren kleinsten Raum mit Namen Black Cat. Hier wurden die Seniorin Mary und die scheuen schwarz-weißen Katzen Pünktchen und Spyro kürzlich von den kleinen Raufbolden Peter und Pan „unterstützt“. Währens Spyro und Pünktchen den Katzenkindern durchaus etwas abgewinnen können, zieht die sehr ruhige und sehr liebe Mary es vor, die Zeit bis zur Ankunft ihrer neuen Familie zu verschlafen. Wir hoffen, dass diese Menschen sehr bald vorbeikommen und die hübsche Tigerin erlösen.

Balloon
Balloon - © Copyright: Doris Litz

Bleibt noch das Gelbe Zimmer. Auch hier leben zurzeit fast ausschließlich Wildlinge, die noch nicht allzu viel mit Menschen anfangen können. Gerade eben ist es dank der Neuzugänge Max, Zorro, Emmy und Sina ein wenig unruhig geworden. Dazu tragen auch die beiden einzigen zahmen Katzen, Amy und Emil, bei, die erst seit wenigen Tagen dabei und ziemlich gestresst sind. Zum Glück für alle Beteiligten zieht das hübsche Pärchen schon in wenigen Tagen wieder aus.

Ein wenig verloren wirkt in diesen Tagen der weiß-silberne Balloon. Der hatte sich nämlich mit unserem Langzeitbewohner Matty angefreundet, der jedoch vor kurzem ausziehen durfte. Balloon hat mit Sicherheit keine allzu große Lust, es seinem Kumpel gleichzutun. Aber wir hoffen, dass trotzdem bald jemand das Abenteuer wagt, dem zurückhaltenden Kater mit viel Geduld die Welt jenseits der Rheinstraße 138 zu zeigen.
Hoffentlich ist es uns gelungen, Ihnen unsere Bewohner und die Atmosphäre in unserer Hauptpflegestelle trotz Lockdown nahzubringen. Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserer Arbeit, die praktische und finanzielle Unterstützung und natürlich für die Weihnachtspäckchen „für Mensch und Tier“, die in diesen Tagen bei uns eingehen und uns auf liebevolle Weise zeigen, wie viele Menschen das, was wir tun, zu schätzen wissen. Das ist für uns ein wichtiger Ansporn, auch in schwierigen und anstrengenden Zeiten am Ball zu bleiben!

Ihnen wünschen wir für die bevorstehende Zeit alles Gute. Genießen Sie wie Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel trotz beschränkter Kontakte, aber hoffentlich mit einer oder mehreren Katzen auf Ihrem Schoß. Und vor allem: Bleiben Sie gesund! Wir sehen uns im Jahr 2021 hoffentlich persönlich wieder.

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